Franz Pruckner wurde am 31. Dezember 1906 in Kaposhomok in der Schomodei, einem deutschen Siedlungsgebiet in Ungarn geboren. Er starb am 25. Oktober 1985 in Stuttgart. Franz Pruckner stammt aus einer Handwerkerfamilie, in ferner Verwandtschaft mit dem Maler Ripple-Ronai (Kaposvar).
Der Vater fiel im 1. Weltkrieg, so bekam der Sohn früh die Härte des Lebens zu spüren, die er mit zähem Fleiß und Tatkraft überwand. Aufgrund außergewöhnlicher Leistungen errang er die damals kaum erreichbaren staatlichen Förderungen und Stipendien.
Franz Pruckner absolvierte das Abitur am Gymnasium in Kaposvar. Von 1927 bis 1932 besuchte er die Hochschule für Bildende Künste in Budapest bei den Professoren Benkhard und Nandor Varga. Franz Pruckner erhielt 1931 den Jugendmaler-Preis der Hauptstadt Budapest. Er erwarb das Staatsexamen und erhielt eine Auftragsarbeit für die Bischofskirche in Székesfehérvár (Stuhlweißenburg), wo er anschließend auch als Professor wirkte. Ab 1932 bis 1944 arbeitete Franz Pruckner in der Künstlerkolonie Miskolc mit.
1937 heiratete er Maria Fröhlich. 1943 wurde der Sohn Franz Pruckner (gleichen Namens) geboren, der später ein Kunststudium an der Universität der Künste in Berlin absolvierte. 1945 wurde die Tochter Veronika geboren, die ebenfalls Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildende Künste Stuttgart und der Universität der Künste Berlin (ehemals HdK Berlin) studierte. 1945 zwangen ihn die Kriegsereignisse zum Verlassen der Heimat – die erste Station war in Österreich. Von dort aus führte sein Weg 1946 nach Deutschland, nach Weilheim an der Teck in Baden-Württemberg.
Franz Pruckner, Straßenmusikantin in Florenz Radierung 1980
Hier konnte Franz Pruckner als Maler wieder arbeiten. Es gab Auftraggeber, Förderer und Freunde. Sie gaben dem Maler Portraitaufträge und unterstützten Pruckner so, seine und die Existenz seiner Familie zu sichern.
Als Pleinairist (Freilichtmaler) entstanden reizvolle Landschaften der Schwäbischen Alb und des Ortes Weilheim an der Teck. Hier wird der Übergang von impressionistischen zu expressionistischen Ausdrucksformen sichtbar.
Franz Pruckner, Limburg bei Weilheim an der Teck, Aquarell 1948
Die Arbeiten des Künstlers, Portraits, Landschaften und andere Motive werden zu begehrten Sammelobjekten. Die guten Beziehungen zur Stadt Weilheim an der Teck blieben zeitlebens erhalten. Von 1950 bis 1969 erhielt Franz Pruckner einen Lehrauftrag an der Höheren Grafischen Fachschule Stuttgart.
In dieser Zeit entstanden Ölbilder, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen, die vielfach das zerstörte Nachkriegs-Stuttgart zeigen. Sie geben Zeugnis von längst abgerissenen Stadtteilen.
Franz Pruckner, Stuttgart, Blick zur Feuerseekirche, Ölbild, 1970
Seit 1970 arbeitete der Maler freischaffend, ab 1976 in Altenriet bei Neckartenzlingen. Dort hatte sich der Maler ein Atelier mit Kupferdruckpresse im eigenen ländlichen Anwesen geschaffen – mit freiem Blick über das Neckartal zur Schwäbischen Alb. Altenrieter kamen um Modell zu sitzen. Es entstanden viele Portraits, Figurenbilder, Landschaftsbilder und Radierungen.
Franz Pruckner, Pierre, Kohlezeichnung, 1980
„Das halbe Dorf kam und stand ihm einfach Portrait, es war ganz erstaunlich. Sie kamen bei ihm vorbei und er zeichnete sie. Nicht gegen Geld, sondern einfach so. Sie freuten sich, wie er sie zeichnete.“Zitat: Tochter
Besonders erwähnenswert ist auf seine Beherrschung des menschlichen Portraits hinzuweisen. Neben der erwarteten Ähnlichkeit auch die psychische Erfassung der Charaktere, eine Leistung, der nur wenige Maler fähig sind.
Franz Pruckner könnte ein Absolvent der Salzburger „Schule des Sehens“gewesen sein, wo es um Spontanmalerei treffsicher frei aus dem Handgelenkheraus und auf die Natur hin geht.Darin beweist er Meisterschaft auf seinen mit Elan hingezauberten, großzügigaufgefassten, expressionistisch stimmungsschweren Landschaftsaquarellen. Temperamentsverwandtschaft mit Kokoschka, zu dem es keine direkte Beziehung gab, verraten dann wieder mehr die knappen, bündig – direkten Figurenzeichnungen und Portraits.Pruckner, der allzu bescheiden, nie viel aus sich machte, sich vom Modegeschrei des Kunstbetriebs abschrecken ließ – bekennt sich als Augenmensch, als einer der aufgeht im nachgerade entrückten Sehen und Schauen – als „ Der Staunende“.
StN, 1976
Lassen wir den Künster selbst zu Wort kommen
„Ich zähle mich selbst nicht zur Avantgarde.Theorie, Vereinfachungen dieser oder jener Art, Manifeste können mich anregen, nicht aber binden. Die Motive, die mir den Anstoß zum Schaffen geben, liegen in der nächsten Umwelt: Menschen, Natur, Objekte. Sie müssen für den normalen Betrachter nicht schön sein, es gibt unter ihnen keine Rangunterschiede, mal dieses, mal jenes im Vordergrund meines Interesses. Selbst ein formloser Erdhaufen kann für mich Ausgangspunkt zu Linien-, Form-, Struktur und Farbkombination geben.
Meine Ideen werden nicht ausgeklügelt, sie entstehen und wachsen aus dem Erlebnis heraus.Ist dieses stark genug, so beginnt meine Phantasie zu ordnen und schiebt die realen optischen Erscheinungsformen beiseite, ersetzt sie mit eigengesetzlichem Zusammenhang von Linien, Formen und Farben.
Ich habe keine Zeit, meine Arbeiten wochen- oder monatelang vorzubereiten, denn meine Begeisterung kühlt sich schnell ab, und ohne sie kann ich nicht schaffen. Die starke gefühlsmäßige Bindung zu dem, was ich eben mache, verlangt ein einfaches Material und Unkompliziertheit in dessen Behandlung.
Deshalb wähle ich gerne Aquarell, da es einen energischen Drang zum Ziel fordert, spontane und schnelle Verwirklichung ermöglicht.Aus demselben Grund zeichne ich gerne mit Kohle und weichem Graphit, weil sie den Werdegang des Erstrebten am sensibelsten signalisieren.“
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